Corona als Einstieg für Kommunikationstraining 

Gerade in dieser Zeit ist es immens wichtig, dass wir uns alle gegenseitig in den individuellen Bedürfnissen verstehen und uns durch angespannte Emotionen nicht im Ton vergreifen. 


Auch wenn die Coronazeit viele Probleme, Krisen und Ängste mit sich bringt: so, wie bereits in unzähligen Artikeln und Videos erkennbar, gibt es auch durch dieses Virus eine Botschaft an uns Menschen, die uns aufruft etwas zu ändern, in der Umwelt, im Miteinander und auch in der Kommunikation. Denn in Coronazeiten kommt es häufiger zu Konflikten in der Familie und im Beruf. Genau hier braucht es eine bewusste Kommunikation um Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken und diese, wenn sie auftreten sollten, schnell zu deeskalieren.

Was ist nun besonders an der Kommunikation, die wir jetzt benötigen?
Was genau brauchen wir, um respektvoll miteinander umgehen zu können?

Wichtig bei der Kommunikation in diesen Zeiten ist ein gutes eigenes Zustandsmanagement. Je ruhiger und souveräner ich mit der ganzen Situation umgehe, desto besser kann ich, ebenso ruhig und gelassen, auf mein Gegenüber reagieren, wenn dieser gerade eher angespannt und emotional ist. Eine Kommunikation beginnt also besonders in der jetzigen Zeit mit der eigenen inneren Haltung, die ich selbst an den Tag lege und somit auch anderen Menschen vermittel und weitergebe. Gerade zurzeit, wenn es viele Lockerungen gibt, in Geschäften, der Gastronomie, die Schulen wieder eröffnen und wir unter strengen Bedingungen diese Lockerungen nutzen dürfen, kommt es zu Anspannung und Ängsten der Inhaber der Geschäfte und Lokalitäten, die hohe Strafen zahlen müssen, wenn die Maßnahmen nicht eingehalten werden. Gerade eben erst erhielt ich eine Nachricht meiner Chefin der Physiotherapiepraxis, wie wichtig es ist, dass wir Therapeuten darauf achten, dass alle Patienten auch im Wartebereich ihre Schutzmasken tragen müssen, da die Praxis sonst hohe Strafen zahlen müsse. Es hieß, dass das Gesundheitsamt die Einhaltung dieser Auflagen streng überprüft. Und gerade jetzt braucht es wirklich Ruhe, falls ein Patient seine Schutzmaske doch einmal nicht aufsetzt. Die Anspannung und Angst die Praxis- Geschäfts- und Gastronomieinhaber verfolgt, kann durchaus so stark sein, dass eine übertriebene emotionale Reaktion die Folge sein kann und demnach eine Botschaft, oder eine Bitte sich an die Regeln zu halten, auch schon mal in den falschen Hals kommt, weil das Gegenüber sich wiederum angegriffen und überfahren fühlt.

Gerade in dieser Zeit ist es immens wichtig, dass wir uns alle gegenseitig in den individuellen Bedürfnissen verstehen und uns durch angespannte Emotionen nicht im Ton vergreifen.

Und wenn ich doch das Gefühl habe, dass mein Gegenüber, mein Kunde, der Verkäufer, der Arzt, der Paketbote oder wer auch immer, einmal unfreundlich erscheinen mag, dann braucht es nicht nur eine ruhige innere Haltung, sondern besonders eine hohe Empathiefähigkeit, denn in Coronazeiten hat jeder sein ganz eigenes Päckchen zu tragen. Jeder erlebt sein persönliches Schicksal. In der Kommunikation können wir mit unserer Empathiefähigkeit zu einem ruhigen und souveränen Umgang miteinander beitragen, mit dem Wissen, dass wir doch fast alle in einem Boot sitzen. Kommunikation bedeutet in erster Linie nicht zu sprechen, sondern meinem Gegenüber zuzuhören und ihm ein offenes Ohr schenken. Auch, wenn dieser gerade gestresst erscheinen mag. Für eine gelungene Kommunikation, für Konfliktlösungen aller Art, für das Deeskalieren von Konflikten braucht es Empathie für die Situation des anderen. Und diese Empathie ist die Basis und das Training jedes respektvoll geführten Gespräches. Gerade in Coronazeiten ist es wichtig, dass jeder sich seiner Empathie bewusst wird, diese bewusst einsetzt um so auch in Zukunft eine respektvolle Kommunikation mit seinem Gegenüber aufzubauen. 

Falls du also einmal in eine Situation gerätst, in der du das Gefühl hast, dein Gegenüber sei unfreundlich zu dir oder greife dich an, dann versetze dich für einen kurzen Moment in seine Lage und überprüfe, ob dahinter nicht eine versteckte Angst liegen könnte, die er ungünstig formuliert. Wenn du das erkannt hast, hast du die Möglichketi angemessen auf dein Gegenüber zu reagieren, oder mit Gegenangriff zu kontern. 
Das heißt, du kannst dein Gegenüber vielleicht fragen, was ihn an deinem eigenen Verhalten stört, warum er denn so forsch reagiert? Du kannst ihn auch fragen, ob du selbst etwas falsch gemacht hast, was du eigentlich nicht wolltest und dir auch nicht bewusst hast. Du kannst ihm auch entgegenbringen, dass du das Gefühl hast, dein Gegenüber sei verärgert und angespannt und ob dies zutreffe. Hol dein Gegenüber da ob, wo er steht oder zumindest, was du vermutest, wo er steht. Stelle ihm Fragen, anstatt direkt drauf loszupoltern. Wenn wir unserem Gegenüber Fragen stellen, rechnet er meist nicht damit, da wir Menschen grundsätzlich in eine Verteidiungshaltung gehens. Diese muss nicht unbedingt ein Gegenangriff sein, sondern kann sich in verschiedenen anderen Arten noch äußern, zum Beispiel Todstellen oder Flucht. Dazu aber in einem anderen Artikel mehr.  Manchmal ist unser Gegenüber ganz überrascht, wenn wir ihm ganz anders begegnen, als er es vielleicht von den meisten Menschen gewohnt ist und auch du wirst überrascht sein, wie dein Gesprächspatner reagiert, wenn du eben nicht gegen ihn arbeitest, sondern ihn mit deinen Fragen abholst. Denn dann reagiert dein Gesprächspartner ebenfalls wieder anders, als du es erwartest usw.... 

Und auch du selbst darfst natürlich deinen Standpunkt jederzeit vertreten, aber immer mit der gewissen Mischung aus Souveränität, Empathie und innerer ruhigen Haltung. Mit diesen Merkmalen steht einem respektvollen Miteinander nichts mehr im Wege. Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem nächsten Aufeinandertreffen mit einer anderen Person.