Coronazeit bedeutet Konfliktzeit- wie  Konfliktmanagement in Krisensituationen gelingt


Gerade zur aktuellen Coronazeit ist bekannt, dass Konflikte im Berufs- und Familienleben häufiger auftreten, bis hin zu fatalen Folgen für einzelne Menschenleben. In den Familien hocken Eltern und Kinder über einen ungewohnt langen Zeitraum aufeinander und auch im Beruf kommt es zwischen Kollegen, aber auch zwischen Mitarbeiter und Kunden häufiger zu Ärger und Unzufriedenheit mindestens einer der Parteien.

Doch auch immer in welchem System- Familie oder Beruf Menschen zurzeit aufeinandertreffen und in Konflikte geraten, ist es  vor allem wichtig, bei sich selbst zu bleiben und nicht zu schnell den anderen für die Situation verantwortlich zu machen. Denn wir sitzen alle in einem Boot, jeder hat sein ganz persönliches Schicksal mit Corona zu tragen. Jeder einzelne.

 Je mehr wir jedoch unzufrieden sind, desto mehr reagieren wir in manchen Situationen gereizt und lassen unseren Frust am Gegenüber aus.

Der Kunde ist unzufrieden mit der Arbeit des Gegenübers, Behörden sind überfordert, die Situation in der Familie ist vollkommen anders als im Alltag und dann noch die Angst, sich selbst oder andere mit dem Virus zu infizieren. Die Lage im Beruf oder in der Familie spitzt sich immer weiter zu...

Doch um was geht es eigentlich in Konflikten?

Wenn dein Gegenüber schlecht gelaunt ist, der Kunde dich anpöbelt oder der Mitarbeiter im Geschäft, das wieder geöffnet hat, dich wutendbrannt aus dem Laden schmeist, weil du deine Schutzmaske nicht aufgesetzt hast: Es geht um Bedürfnisse jedes Einzelnen und es sind nur Gefühle, die sich in beleidigenden Worten, Angriffen oder der Anmache verbergen, die dir entgegenprasseln. Es sind Bedürfnisse die gestillt werden möchten und die in einer derart unglücklichen Art und Weise nach außen getragen werden, dass wir es oft direkt als Beleidigung oder Angriff auffassen. Wie reagieren wir? Ebenfalls, wenn schon gekonnt, mit einer zwar sehr ruhigen, aber dennoch angespannten Rückmeldung, die uns doch eigentlich das Gespräch schon von vorne herein vermiest.

Wenn sich in Coronazeiten die Situationen zuspitzen und das Agressionspotenzial steigt, gilt es in erster Linie das dahinterliegende Bedürfnis zu erfassen desjenigen, der in unseren Augen sich im Ton vergriffen hat.

Gerade dann muss einer die Ruhe bewahren. Und ja, auch wenn es sich um Beleidungen handelt, auch eine Beleidigung ist Ausdruck eines Gefühls. Natürlich bedeutet es nicht, dass du dich dauernd beleidigen lassen und beschimpfen lassen musst, aber mit dem Wissen, dass dahinter etwas Verborgenes und Verletzliches liegt, könntest du dein Gegenüber ruhiger ansprechen und genau die Fragen stellen, die ihn weg von seiner Wutemotion bringt und hinzu zu seinem eigentlichen Bedürfnis was darunter liegt. Es heißt nicht, dass du dieses Bedürfnis direkt stillen musst und kannst, aber durch dieses Wissen bist du derjenige, der die Situation entschärfen kann und aus der angebahnten Konfrontation und dem Konflikt das Potenzial zum Gegeneinander nehmen kannst. Somit trägst du eher zu einer Konfliktlösung bei als auf dein eigenes Recht zu beharren, dass du ungerecht behandelt wurdest.

 Coronazeit bedeutet Empathiezeit, und besonders dann, wenn du selbst einer der Betroffenen bist, der glaubt, er würde zu Unrecht behandelt werden oder angemacht werden.

Ich selbst als blinde Person kann da so einige Geschichten erzählen, wenn mein Blindenhund und ich derzeit die Geschäfte betreten. Die Panik der Inhaber, dass der Laden direkt wieder geschlossen werden muss, ist nur ein Teil, der sich zeigt, wenn ich bitte gefälligst Abstand halten soll und mir eine Plakette vorne am Eingang holen soll, schließlich sei es ja deutlich genug geschrieben... nun ja, was für eine fast blinde Person deutlich genug geschrieben ist, lasse ich an dieser Stelle einmal offen. Und geanu in diesem Moment erkenne ich die Angst und das Bedürfnis meines Gegenübers nach Sicherheit für die eigene Existenz, die nur dann Bestand hat, wenn sich jeder an die Regeln hält. Dass von mir junger Person keine böse Absicht hinter meinem Verhalten lag, auch wenn es in den Augen des anderen so gedeutet wurde, ist denke ich erst dann erkennbar, wenn ich als erster auf die Angst meines Gegenübers eingehe und erkläre, dass ich weder ein Schild am Eingangsbereich, noch eine Plakette zum Mitführen im Laden gefunden habe. Also heißt es solange Empathie, bis dass sich die Gemüter gegenseitig beruhigt und verstanden haben. Und das kann jeder für sich in seiner ganz persönlichen Coronasituation lernen und üben: 

Empathie, für ein Miteinander als ein Gegeneinander, besonders dann, wenns einmal schwierig ist.