Opfer oder Täter- du hast die Wahl


Die Frage ist nur: Möchtest du Opfer deines Gegenübers sein und die Kontrolle deiner Gefühle abgeben, oder willst du souverän als Führungskraft den Konflikt deeskalieren? 

Was passiert in der Regel als allererstes, wenn wir in einen Konflikt geraten und glauben, der andere hätte sich falsch verhalten? Wir reagieren emotional, und zwar mit Ärger, Wut oder sogar Aggression. 

Dadurch, dass wir glauben, der andere hätte sich gegenüber uns falsch verhalten, bricht in uns ein Vulkan aus und wir glauben, der andere hätte uns verletzt, enttäuscht, gekränkt oder es zu weit getrieben mit seinen Äußerungen oder seinem Verhalten. Wenn wir das nun aber vom anderen glauben, was bedeutet das dann im Umkehrschluss für unsere emotionale Reaktion? 


Es bedeutet, dass der andere mit seinen Worten oder Verhaltensweisen tatsächlich die Macht über unsere Gefühlslage ergriffen hat.


Dann hauen wir manchmal infolgedessen Wörter raus wie: „wegen dir ist mein Tag jetzt gelaufen!“ oder „wie kannst du mir nur so weh tun!“, oder „ich werde noch krank durch dieses Verhalten!“ In diesem Modus und in diesem Glauben sind wir ein Opfer, und zwar das Opfer unseres Gegenübers, denn wir sind der festen Überzeugung, dass er die Verantwortung für unsere Gefühle trägt. Aber wie fühlt sich das wiederum an, wenn wir glauben, der andere hätte uns mit Worten und Taten gekränkt, enttäuscht oder derart verletzt, dass wir in Tränen ausbrechen, Schaum vorm Mund haben oder gleich vor Ohnmacht umkippen? Es bedeutet, dass jeder Mensch die Macht und die Kontrolle über unsere Emotionen ergreifen kann! Denn schließlich ist es ja der andere, der sich in seinem Verhalten ändern muss, damit es uns selbst gut geht. 


Somit machen wir uns vollkommen abhängig von unserem Gegenüber.


Wir sind also in unserem Gefühlserleben abhängig davon, wie der andere uns begegnet, denn der andere schafft es offensichtlich in uns diese Gefühle hochzuholen, nicht etwa wir selbst. Wir sind Opfer und unterliegen also zu 100% dem Verhalten unseres Gesprächspartners…. Aber, wie ist das, ein Opfer zu sein und hilflos dem anderen ausgeliefert? Es erweckt wohl weniger ein erfreuliches, starkes und aufbauendes Gefühl, was uns animiert, souverän und angemessen in dieser Situation reagieren zu können. Ganz im Gegenteil, wir neigen in diesem Fall dazu, uns herrlich in unser eigenes Opfertal hineinzusteigern.


Und der einzige Weg, erst gar nicht in die Opferfalle und diesen Kreislauf des Selbstmitleids hineinzugeraten ist, selbst die Verantwortung für das eigene emotionale Befinden in die Hand zu nehmen. 


Denn wenn wir selbst autonom und verantwortungsvoll mit uns umgehen, dann bleiben wir in einem ressourcevollen Zustand, authentisch und souverän und somit haben wir die Möglichkeit, anders als mit Angriff, Verteidigung oder Rechtfertigung im Konflikt zu reagieren


Wir sind dann Täter, ein gutmütiger Täter, der verantwortungsvoll mit sich selbst und der Situation umgehen kann.


Die Frage ist nur: Möchtest du Opfer deines Gegenübers sein und die Kontrolle deiner Gefühle abgeben, oder willst du souverän als Führungskraft den Konflikt deeskalieren? 


Der entscheidende Trick und Schritt dabei ist jedoch, diese winzige kleine Millisekunde zu erfassen, die zwischen dem Reiz (Äußerung/Verhalten) und unserer Reaktion (Emotion) liegt. Denn innerhalb dieses Raumes liegt der wahre Grund für unsere emotionale Reaktion. Nämlich ein Gedanke…. Ja tatsächlich, ein Gedanke, dein eigener Gedanke! Nicht der Gedanke deines Gegenübers, sondern dein eigener Gedanke, den du kreierst auf Basis der Äußerung deines Gegenübers. Wenn du es nun schaffst, diesen Gedanken in dir zu erfassen und zu entpacken, dann wirst du merken, dass dieser Gedanke eine Bewertung oder Interpretation ist. Wir interpretieren Aussagen und Verhaltensweisen unseres Gegenübers ganz unbewusst. Und nur dadurch wird in uns eine emotionale Reaktion ausgelöst…. Nur erkennen wir das oft nicht, da, wie gesagt, der Raum zwischen Reiz und Reaktion zwar sehr groß, aber doch nur sehr kurz geöffnet ist…. Die Tür geht auf und oft bevor wir es bemerken, auch schon wieder zu… und die Kunst ist es, bevor sich die Tür wieder schließt, einen Fuß hineinzusetzen und den eigenen Gedanken zu lauschen, die in den Raum eintreten möchten… Also lade ich dich ein, beim nächsten Mal, wenn du dich angegriffen, verletzt oder gekränkt fühlst, achte einmal auf deine eigene Interpretation, auf deine eigenen Gedanken und du wirst merken, dass das Gefühl, was in dir hochkommt, letztlich nur ein Gefühl deiner eigenen Gedanken ist. Und somit bist du nicht mehr in der Opferrolle gefangen, sondern kannst selbst die Weichen stellen für deine nächste emotionale Reaktion.